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Geltungszeitraum von: 01.10.2001

Geltungszeitraum bis: 31.10.2011

Richtlinien für die Fortbildung in den ersten Amtsjahren
in der Evangelischen Kirche von Westfalen

Vom 23. August 2001

(KABl. 2001 S. 284)

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Die Kirchenleitung hat folgende Richtlinien für die Fortbildung in den ersten Amtsjahren (FEA) beschlossen:
1 Die obligatorische Fortbildung in den ersten fünf Amtsjahren hat das Ziel, den Fragen und Problemen nachzugehen, die sich mit der eigenständigen Wahrnehmung pfarramtlicher Tätigkeiten neu ergeben. 2 Die diesbezüglichen Erfahrungen sollen reflektiert, neue Herausforderungen wahrgenommen, das bisherige theologische und praktische Wissen ergänzt und die für das Pfarramt notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten vertieft werden. 3 Die FEA begleitet den berufsbezogenen lebenslangen Lernprozess in seiner Anfangsphase.
Hierbei hat das Orientierungswissen Vorrang vor dem Verfügungswissen.
1 Die drei Aspekte Glauben, Leben und Lernen gehören untrennbar zusammen. 2 Deswegen können die für die Pfarramtsführung notwendigen Kompetenzen nur in der Verschränkung von personaler, fachlicher und spiritueller Bildung angeeignet werden. 3 In einzelnen Fortbildungen kann der Schwerpunkt zwischen den Aspekten Spiritualität, fachlicher Bildung und Förderung der personalen Entwicklung unterschiedlich gesetzt werden. 4 Grundsätzlich bleiben sie aber aufeinander bezogen. 5 Alle Angebote geben Raum zur Erfahrung von Spiritualität, bilden in fachlicher Hinsicht fort und geben Anregungen für die persönliche Entwicklung.
1 Ein Schwerpunkt liegt auf der Einübung in Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft mit anderen Theologinnen und Theologen, haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden. 2 Um einer kontraproduktiven Pfarrerzentrierung vorzubeugen, werden die Fortbildungskurse nach Möglichkeit unter Beteiligung anderer Mitarbeitendengruppen durchgeführt.
Die Fortbildung in den ersten Amtsjahren soll die theologisch-orientierende, die seelsorgliche, pädagogische, gottesdienstliche, kybernetische und ökumenische Kompetenz und damit die von einer persönlichen und gemeinschaftlichen Spiritualität getragene kommunikative und personale Kompetenz stärken.
1 Die Fortbildung geschieht in der Regel während 14 Tagen pro Jahr. 2 Hierfür wird Sonderurlaub gewährt. 3 Je nach dem zu bearbeitenden Gegenstand können diese Fortbildungsmaßnahmen als vier- bis fünftägige Pastoralkollegs, als Studientage oder auch als langfristig angelegte Qualifikationskurse genutzt werden. 4 Darüber hinaus sollen die Erfahrungen pfarramtlicher Tätigkeiten zu Beginn und am Ende der FEA-Zeit durch eine Supervisionsphase (in der Regel ca. 10 Gruppen- oder in Ausnahmefällen Einzelsupervisionssitzungen) ergänzt werden. 5 Die FEA-Beauftragten orientieren im Zusammenwirken mit den anderen hauptamtlich in der Aus-, Fort- und Weiterbildung arbeitenden Pfarrerinnen und Pfarrern über das Programm des Instituts und seine speziellen Fortbildungsmöglichkeiten durch eine obligatorische Fortbildungsberatung, die auf den Ordinandentagungen beginnt und später als Kleingruppen- oder Einzelberatung an besonderen Beratungstagen (2 pro Jahr) fortgeführt wird. 6 Hierbei ist die Mitwirkung der Superintendentinnen und der Superintendenten erwünscht.
Pfarrerinnen und Pfarrer in den ersten Amtsjahren wählen sich nach ihrer Ordination aus den folgenden sechs Bereichen drei aus, in denen sie in der FEA-Zeit ihre Kompetenzen erweitern:
  1. Theologische Kompetenz
  2. Seelsorgliche Kompetenz
  3. Pädagogische Kompetenz
  4. Gottesdienstliche Kompetenz
  5. Kybernetische Kompetenz
  6. Ökumenische Kompetenz
1 Solche Kompetenzen werden benötigt, um den Auftrag der christlichen Gemeinde zu erfüllen, Gott zu ehren, Gerechtigkeit zu bezeugen und eine Kultur des Erbarmens aufzurichten. 2 Die in diesem Auftrag beschlossene Einheit von Gottes- und Nächstenliebe weist auf eine unaufhebbare diakonische Dimension in allem kirchlichen Handeln. 3 Angesichts der gegenwärtigen gemeindlichen Wirklichkeit wird die diakonische Kompetenz als integraler Teil der hier genannten Kompetenzen verstanden.
1. Theologische Kompetenz
1 Theologische Kompetenz zielt auf die Umwandlung des durch die theologische Ausbildung erlangten Verfügungswissens in Orientierungswissen. 2 Die Kirche und ihre Pfarrerinnen und Pfarrer sollen in der Lage sein, die Menschen und unsere Gegenwart zu verstehen, die großen Wandlungen und Umbrüche unserer Zeit theologisch zu deuten und als Herausforderungen für ihr Handeln zu begreifen. 3 Dazu bedarf es nicht nur theologischen Wissens, sondern auch der Fähigkeit, dieses in Verbindung zu Existenz und Zeit der heutigen Menschen zu setzen und so Orientierung für sich und andere zu ermöglichen.
1 Theologisch orientierende Bildung leistet einen Beitrag zur Identitätsbildung. 2 Sie hat ihr Ziel erreicht, wenn sie Pfarrerinnen und Pfarrern eine theologische Existenz heute ermöglicht. 3 Die FEA hilft dazu, indem sie das theologische Urteilsvermögen stärkt, theologisch komplexe Sachverhalte elementarisiert und über neue theologische Entwicklungen informiert.
1.1 Stärkung des theologischen Urteilsvermögens
1 Auf dem Hintergrund der verschiedenen biblischen Theologien und ihres jeweiligen Zeit- und Existenzbezuges gilt es in der Unübersichtlichkeit unserer gegenwärtigen Situation Orientierung zu finden und zu geben. 2 Identität – auch christliche Identität – gibt es nicht abstrakt, sondern nur geschichtlich und sozial. 3 Darum müssen beide Ebenen, die der Argumentation, Kategorien, Prämissen und Normen und die der konkreten Entscheidungen unterschieden werden. 4 An folgenden Themenbereichen kann dies veranschaulicht werden:
Hermeneutische Fragestellungen
Konkrete ethische Entscheidungsfelder
Die Aktualität verschiedener biblischer Theologien
Christliches Menschenbild und die Menschenbilder der Moderne und Postmoderne
Erkenntnisse feministischer Forschung als Herausforderung gegenwärtiger Theologie
Sakramentstheologie: Was macht die Kirche, wenn sie Menschen tauft? Was geschieht eigentlich im Abendmahl?
Kirche in der Zeitenwende: Volkskirche, Freiwilligkeitskirche, Bekenntniskirche
1.2 Elementarisierung theologisch komplexer Sachverhalte
1 Wer mit Hilfe der Theologie das Leben verstehen und Handeln begründen möchte, bedarf der Fähigkeit zur Elementarisierung. 2 Im Anschluss an Karl-Ernst Nipkow gehört dazu das Vermögen,
  1. theologische Aussagen einfach, aber nicht schlicht darzustellen;
  2. die implizite Wahrheitsfrage freizulegen;
  3. den Erfahrungsbezug theologischer Sätze offen zu legen und
  4. Zugänge und lebensgeschichtliche Anfänge neu zu eröffnen.
Folgende Themen können dazu dienen, in Elementarisierung als Kern orientierender theologischer Arbeit einzuüben:
Schöpfung und Evolution
Sünde und Rechtfertigung
1 Gott und das Leid. 2 Theologie des Kreuzes als protestantisches Profil
Tod und ewiges Leben
1.3 Information über neue theologische Entwicklungen
1 Als auf Praxis bezogene Wissenschaft ist die Theologie eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. 2 Praktische Theologie hat darum auch die Aufgabe, Anregungen sowohl aus der fachwissenschaftlichen Weiterentwicklung als auch durch neue, ins Blickfeld tretende gesellschaftliche Herausforderungen aufzunehmen.
Dies geschah in den letzten Jahren z. B. durch folgende Themen:
Kirche und Gesellschaft in der Perspektive von Frauen, bzw. Männern
Neue Erkenntnisse in Archäologie und Exegese und ihre Folgen für die Theologie
Die neue ökologische Sicht der Einen Welt
Die postmoderne Fragmentierung unserer Gesellschaft und die Einheit Gottes – der Pluralismus
Ökonomie und Gott – der Markt als theologisches Problem und als Aufgabe
2. Seelsorgliche Kompetenz
Seelsorgliche Kompetenz umfasst – bezogen auf den Aspekt der Gesprächsführung – die Fähigkeit zur Echtheit, Wertschätzung und Empathie, bezogen auf den Aspekt der Verkündigung – die Fähigkeit, über den eigenen Glauben zu reden und biblisch-theologische Inhalte situationsangemessen einzubringen und zu formulieren.
Aufgabe der 2. Ausbildungsphase war es, Vikarinnen und Vikare mit grundsätzlichen Fragen von Seelsorge, Theologien und Konzeptionen sowie Techniken und Methoden des helfenden Gespräches in Kontakt zu bringen und erste Erfahrungen mit Seelsorge in der Gemeinde und in Institutionen zu ermöglichen.
In der FEA soll es nun darum gehen, kontinuierlich seelsorgliche Erfahrungen zu begleiten, zu einem auf dem Hintergrund eigener Praxis reflektierten Seelsorgeverständnis zu kommen und sich mit Spezialgebieten von Seelsorge in Bezug auf das derzeitige Praxisfeld oder auch angestrebte Aufgaben zu beschäftigen.
Daraus ergibt sich folgende Angebotspalette:
2.1 Begleitung seelsorglicher Erfahrungen
In diesem Bereich bieten wir an:
Supervisionsgruppen, die sich schwerpunktmäßig mit der Rolle als Seelsorger oder Seelsorgerin beschäftigen
KSA-Kurse in verschiedenen Variationen (entweder als kompakten 6-Wochen-Kurs oder als Intervall-Kurs in 2 x 3 Wochen; bzw. 3 x 2 Wochen) oder andere gleichwertige Qualifizierungsangebote
2.2 Entwicklung eines eigenen Seelsorgeverständnisses
Beschäftigung mit unterschiedlichen theoretischen Ansätzen in der Seelsorge, u. a. auch als Einstieg in entsprechende qualifizierende Fortbildungen anderer Fortbildungsträger, etwa
Familienseelsorge unter systemischen Gesichtspunkten
Seelsorge mit Mitteln des Gestaltkonzeptes
KSA-Kurse (s. o.)
Daneben kann die Auseinandersetzung mit Fragen der Geschlechterdifferenz bearbeitet werden:
Frau- bzw. Mannsein in der Seelsorge
2.3 Spezialgebiete
1 Themenorientierte Kurswochen, in denen es stärker um eine Mischung von Theorie und eigenen Praxiserfahrungen geht und ggf. 2 Selbsterfahrungsanteile weniger im Vordergrund stehen. 3 (Solche Angebote könnten auch von denjenigen in Anspruch genommen werden, die sich auf Grund ihres Seelsorgeverständnisses z. B. nicht auf die Teilnahme an einem KSA-Kurs einlassen können oder wollen.)
Angebote in diesem Sinne könnten sein:
Geburtstagsbesuche als seelsorgliche Gelegenheit
Verkündigung in der Seelsorge
Die Bibel ins Gespräch bringen
Seelsorge und Beichte
Rituale in der Seelsorge
Seelsorge in Krisensituationen
Umgang mit Traumatisierungen
Seelsorge in besonderen Institutionen
Alle Angebote sind keine reinen FEA-Veranstaltungen, sondern in der Zusammensetzung der Teilnehmenden alters- und erfahrungsgemischt.
3. Pädagogische Kompetenz
1 Pädagogische Kompetenz ist die Fähigkeit, Glaubens- und Lebensthemen in theologisch reflektierter Weise so in den Lernprozess einer bestimmten Gruppe einzubringen, dass sich die Gruppenmitglieder die Bedeutung dieses Themas für ihren Lebenszusammenhang erschließen können. 2 Sie schließt das Vermögen ein, die eigenen Lehrziele zu bestimmen und diese mit den Handlungszielen der Lerngruppe zu vermitteln. 3 Voraussetzung des rechten Gebrauchs solcher Kompetenz im kirchlichen Kontext ist die Ehrfurcht sowohl vor Gott als dem letzten Subjekt des Glaubens als auch vor dem Subjektsein der Menschen.
Diese Fähigkeit wird entwickelt u. a. durch den Diskurs mit Geisteswissenschaften (z. B. Psychologie, Soziologie & Pädagogik), die kritische Reflexion von eigener und fremder pädagogischer Praxis, die Erweiterung des methodischen Repertoires unter besonderer Berücksichtigung der Mehrdimensionalität und Wechselseitigkeit aller Lernprozesse, die Arbeit an der eigenen Kommunikationsfähigkeit und die Profilierung eigener pädagogischen Absichten im Spannungsfeld von Gruppe, Lernort und Thema.
1 Im Bereich „pädagogische Kompetenz“ berücksichtigt die FEA sowohl die Institutionen der Gemeindearbeit, die darüber hinausgehenden kirchlichen Handlungsfelder und den schulischen Bereich. 2 Sie leitet dazu an, die Strukturen und Gesetzmäßigkeiten der gemeindepädagogischen Bildungsinstitutionen zu verstehen, um sachgemäß mit ihnen arbeiten zu können. 3 Sie hilft, die Verbindung von Verkündigung und Diakonie zu erkennen, unterschiedliche Schwerpunktsetzungen in kirchlicher Arbeit zu verantworten und die Kommunikation von Gemeinde und Schule zu fördern. 4 Hieraus ergeben sich thematische Vorschläge für Fortbildungsveranstaltungen in verschiedenen Bereichen, für die neben dem Institut für Aus- Fort- und Weiterbildung bzgl. 5 Evangelischer Religionspädagogik, Evangelischem Religionsunterricht und Konfirmandenarbeit das Pädagogische Institut der EKvW verantwortlich ist.
3.1 Kindergarten und Kindergottesdienst
Konzeptionen und Profile evangelischer Kindergärten
Fortbildung ehrenamtlicher Kindergottesdienstmitarbeitenden
Elementarpädagogische Konzeptionen
3.2 Kirchlicher Unterricht – Religionsunterricht – kirchliche Jugendarbeit
Jugendarbeit – Konfirmandenarbeit – Religionsunterricht (Verhältnisbestimmung)
Im Unterricht sind Mädchen und Jungen! Die Geschlechterdifferenz als Herausforderung
Pädagogische Konzeptionen der Konfirmandenarbeit
Konfirmationstheologie
Religionspädagoginnen und Pfarrerinnen, Nähe und Distanz
Kommunikation von Kirche und Schule
Evangelische Kontaktsstunde in der Grundschule
Schulischer Religionsunterricht (Konzeptionen, Didaktik)
3.3 Kasualpraxis
Taufseminare für Eltern, Paten, Patinnen und alle Interessierten
Konfirmandenelternarbeit
Partnerschaftsseminare
3.4 Erwachsenenbildung
Konzepte evangelischer Erwachsenenbildung
Konfirmandenunterricht für Erwachsene
Vorbereitung und Durchführung von Themenabenden, Gemeindevorträgen usw.
Methoden der Bibelarbeit
Religiöse Familienerziehung
Planung und Gestaltung von Freizeiten
Zielgruppenarbeit in der Kirchengemeinde
4. Gottesdienstliche Kompetenz
1 Gottesdienstliche Kompetenz wird ausgebildet, indem gottesdienstliche Theorie und Praxis mit Blick auf die eigene Rolle reflektiert wird. 2 Die eigene gottesdienstliche Praxis wird in liturgischer, homiletischer und kommunikativer Hinsicht vertieft. 3 Dabei werden auch homiletische Herausforderungen außerhalb des Gemeindegottesdienstes in den Blick genommen. 4 Es ist ein entscheidendes Ziel, in diesem Handlungsfeld eine immer größer werdende Rollensicherheit zu erreichen.
1 Die Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft der Gegenwart werden im Spannungsfeld von Tradition und Innovation theologisch reflektiert. 2 Das wiederum fördert die Fähigkeit zu verantwortlicher Gestaltung von Gottesdienst und Verkündigung.
Zur verantwortlichen Gottesdienstgestaltung gehört die besondere Berücksichtigung der Aspekte Theologie des Gottesdienstes, Spiritualität, Ökumene, Geschlechterdifferenz sowie Kooperation und Kommunikation.
1 Theologie des Gottesdienstes: Die neutestamentlichen Säulen des Gottesdienstes wie die Apostellehre, das Brotbrechen, die Gemeinschaft und das Gebet sollen mit den gegenwärtigen Fragestellungen gottesdienstlichen Handelns reflektiert werden. 2 Dabei bleibt es eine ständige Aufgabe, Gott in dieser Welt zu feiern und das Wort Gottes angesichts der säkularen Lebenswelt zum Ausdruck zu bringen.
1 Spiritualität: Alle Fortbildungsveranstaltungen sollen ein Raum zur Erfahrung von Spiritualität sein. 2 Die Gottesdienste sollen als Ausdrucksform und Erfahrungsraum eigener Spiritualität entdeckt und gefeiert werden.
Ökumene: Die Impulse, Lieder und Gebete aus der weltweiten Ökumene sind unverzichtbarer Bestandteil gottesdienstlichen Handelns.
Geschlechterdifferenz: Unterschiedliche Formen von Spiritualität, Aufnahme von Impulsen aus der feministischen Theologie für die Gottesdienstpraxis sowie Fragen der gerechten Sprache im Gottesdienst sind zu beachten.
1 Kooperation/Kommunikation: Das Umsetzen des Leitziels des Evangelischen Gottesdienstbuches: Der Gottesdienst wird unter der Verantwortung und Beteiligung der ganzen Gemeinde gefeiert. 2 Eine besondere Aufmerksamkeit kommt hierbei dem interdisziplinären Zusammenwirken der Ämter im Gottesdienst zu. 3 Haupt-, Neben- und Ehrenamtliche sind je nach ihren Gaben an der Feier beteiligt. 4 Durch die Zusammenarbeit von Pfarrerinnen und Pfarrern mit Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern wird der eigene Erfahrungshorizont vertieft.
Mögliche Bereiche für Kurse für verkündigende-liturgische Kompetenzerweiterung sind:
4.1 Homiletik
Reden im öffentlichen Raum (Volksfeste, Radio, Zeitung, Gemeindebrief)
Andacht – die kleine Form im Schatten
Herausforderung Bestattung, Herausforderung kirchliche Trauung
Erzählen im Kindergottesdienst
Homiletische Workshops zum Kirchenjahr
Predigtsprache
Theologie der Predigt – Theologie in der Predigt
4.2 Liturgische Praxis
Rituale und Symbole sinnvoll einsetzen
Der gottesdienstliche Raum
Moderne Kunst im Gottesdienst
Wort und Musik – Theologie und Kirchenmusik – Partnerschaft und Konkurrenz
Singen im Gottesdienst, die Rolle des Singleiters oder der Singleiterin im Gottesdienst, Liturgisches Singen
Sprecherziehung/Lesung im Gottesdienst
Tanz und Bewegung in der Liturgie
Liturgische Elemente gestalten mit Kindern in der Kirche
4.3 Kasualien (Amtshandlungen zu Taufe, Trauung, Beerdigung)
Tore zum Leben – Theologie und Praxis der Amtshandlungen
Vom Jordanwasser zur Taufschale – das neue Taufbuch der EKU
Neue Riten bei Trauung und Bestattung – Kirche auf dem Markt
„Neue Kasualien“ – Gottesdienste bei Gelegenheit
Trauung
Taufe und Tauferinnerung
Taufkatechumenat für Erwachsene
Bestattung
4.4 Gottesdienst und Gemeindeaufbau
Generationsverbindende Gottesdienste
Die Gottesdienstwerkstatt – Chance für die Beteiligung der Gemeinde
Profilierung des Gottesdienstes in der Region
Vernetzung des Gottesdienstes in der Gemeindearbeit
Gottesdienste ganzheitlich feiern
Gottesdienste mit Zielgruppen
Gottesdienst feiern in der Erlebnisgesellschaft
Taufe und Gemeindeaufbau
5. Kybernetische Kompetenz
1 Kybernetische Kompetenz ist die Kunst und die Gabe, Menschen zu führen und eine Gemeinde zu leiten. 2 Nach 1. Korinther 12 ist sie eingebettet in die Vielfalt gemeindlicher Gaben und Aufgaben. 3 Pfarrerinnen und Pfarrer sind in die Leitung der Gemeinde eingebunden. 4 Dies setzt kritische Selbstreflexion, konkrete Zielvorstellungen und geschwisterlichen Umgang mit Mitarbeitenden ebenso voraus wie theoretische Kenntnisse im Bereich Kybernetik und das praktische Beherrschen von Techniken der Führung und Leitung.
1 In den ersten Amtsjahren kommen zu der Theorie der kybernetischen Grundausbildung im Vikariat die praktischen Erfahrungen in Gemeinde und Pfarramt. 2 Beides soll nun reflektiert und fruchtbar gemacht werden, um so die eigene Berufsrolle verantwortlich wahrzunehmen und ein eigenes biblisch-theologisch fundiertes Konzept für Gemeindeaufbau und Gemeindeleitung zu entwickeln.
Daraus ergeben sich für diesen Fortbildungsbereich folgende Ziele:
1 In der Zeit der FEA sollen Pfarrerinnen und Pfarrer, die Frage der Berufsidentität in Auseinandersetzung mit der eigenen Person und in Auseinandersetzung mit Konzepten für die Berufsrolle Pfarrer, bzw. 2 Pfarrerin klären; eine eigene Vorstellung eines Gemeindeaufbau- und Gemeindeleitungskonzeptes entwickeln und diese biblisch-theologisch reflektieren und Fertigkeiten und Techniken für die Umsetzung kybernetischer Kompetenz im Alltag des Pfarramtes erwerben (Moderation, Präsentation, Umgang mit Gemeindegliedern, Auftreten in der Öffentlichkeit, Öffentlichkeitsarbeit u. a.).
1 Auch für die FEA sind qualifizierende und zertifizierte Kurse vorgesehen. 2 Gedacht ist dabei an die Teilnahme an verschiedenen, in sich geschlossenen und zugleich aufeinander aufbauenden bzw. aufeinander bezogenen Kollegs über einen längeren Zeitraum – möglichst mit supervisorischer Begleitung.
Folgende Themenbereiche und Arbeitsweisen bieten sich für die Fortbildung im Bereich Kybernetik an:
5.1 Klärung der Berufsidentität
Kollegiale Beratungsgruppen, die sich möglicherweise aus vorhandenen Supervisionsgruppen oder den in der Vikarsausbildung bekannten Regionalgruppen bilden, in denen sich die Teilnehmenden gezielt bei der Arbeit beobachten, die Beobachtungen rückmelden und besprechen
Kollegs zu Fragen des Pfarrer- und Pfarrerinseins heute, zu den Themenbereichen Rolle und Berufsbild, Professionalität, Corporate Identity, Geschlechterdifferenz im Pfarramt.
5.2 Entwicklung eines Gemeindeaufbaukonzeptes
Kollegs zur biblisch-theologischen Reflexion gängiger Gemeindeaufbau- und Gemeindeleitungskonzepte mit dem Ziel einer Konzeptionsentwicklung mit der Gemeinde, die die Möglichkeiten der eigenen Person, der vorfindlichen Gemeindestrukturen und der dort bereits mitarbeitenden Menschen berücksichtigt (Gemeindeaufbau zwischen Konzeption u. Vision)
Kollegs zur Anwendung von Gemeindeaufbau-Konzepten unterschiedlicher Ausprägung: missionarischer, diakonischer, gemeinwesenorientierter, projektorientierter Gemeindeaufbau
Kollegs zu Grundfragen der Diakonie als Lebens- und Wesensäußerung von Kirche und Gemeinde und sich daraus ergebenden Themen zu Fragen von Organisation, Entwicklung, Leitungsverantwortung und Vernetzung
Ökumenische Begegnungen zur Beschäftigung mit Gemeinde- und Gemeindeaufbaumodellen anderer Art unter anderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
5.3 Gemeindeleitung
Kollegs zur Frage Kirche und Recht, Kirchenrecht, Staatskirchenrecht
Kollegs zu den Aufgaben des Presbyteriumsvorsitzes, möglichst differenziert nach der ganzen Bandbreite der dort behandelten Themen wie Haushalt, Mitarbeiterführung, Organisationskenntnisse, Delegation, Organisation des eigenen Pfarrbüros, Zeitmanagement
5.4 Erwerb von Fertigkeiten und Techniken
Trainings in Moderations- und Präsentationstechniken
Trainings in Methoden von Gruppenleitung, -begleitung und -beratung
Training in Themen-zentrierter Interaktion (TZI)
6. Ökumenische Kompetenz
1 Ökumenische Kompetenz ist die im Bewusstsein der eigenen konfessionellen Identität gewonnene Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung im missionarischen und konziliaren Prozess. 2 Sie wächst durch die Erfahrung der Kulturen und Nationen übergreifenden Gliedschaft am Leibe Christi. 3 Der Weg dahin geht über das Kennen lernen, Erfahren und Einüben. 4 Das geeignete Medium dazu ist das Begegnungskolleg, das hilft, das Fremde und Andere wahrzunehmen und die eigene Identität weiterzuentwickeln. 5 Kenntnis und Authentizität des eigenen Bekenntnisses ist dabei die Voraussetzung gelingender Begegnung.
Um diese ökumenische Kompetenz zu erlangen, hilft die FEA, die Weite des Christentums kennen zu lernen, Partnerschaft in der Wahrnehmung des Sendungsauftrages Christi zu erfahren und angesichts der Realität anderer Religionen die eigene Identität weiter zu entwickeln.
6.1 Die Weite des Christentums kennen lernen
Das authentische Kennen lernen anderer Konfessionen (an erster Stelle des katholischen Bekenntnisses, dann der in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen zusammengeschlossenen Kirchen – Freikirchen und orthodoxe Kirchen –), der Kirchengemeinschaft innerhalb der EKU und mit der UCC sowie der ökumenischen Bewegung (konfessionelle Weltbünde, Ökumenischer Rat der Kirchen, Basisbewegungen) öffnet der christlichen Identität einen neuen Horizont, innerhalb dessen sie neu gefunden werden muss.
Geeignete Themen könnten sein:
Ökumenische Sozialethik
Die Diskussion um das Nicänum
Die lutherisch-katholische Diskussion um die Rechtfertigungslehre
Gewaltfreiheit und Friedensethik (Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt)
Das Amtsverständnis in den verschiedenen Konfessionsfamilien
6.2 In einer Kirche als Lerngemeinschaft Partnerschaft in der Sendung erfahren
1 Die ökumenische Kompetenz in einer Kirche als weltweiter Lerngemeinschaft entwickelt sich durch die Pflege internationaler Gemeinschaft mit Christen und Christinnen, bei uns besonders der Partnerschaften, die durch die VEM, innerhalb der Kirchengemeinschaft mit der UCC und auf anderen Wegen gewachsen sind. 2 Sie äußert sich in einem neuen, emanzipativen Verständnis von Mission, die partnerschaftlich wahrgenommen wird.
Exemplarische Themen könnten sein:
Evangelium und Kultur
Mission und Evangelisation als bleibende Aufgabe
Partnerschaftsarbeit in Gemeinde und Kirchenkreis (Modelle)
Einsatz für Gerechtigkeit und Friedensarbeit an ausgewählten Beispielen
Gemeindeentwicklung und Diakonieverständnis in unterschiedlichen kulturellen Kontexten
6.3 Angesichts der Realität anderer Religionen die eigene Identität weiterentwickeln
1 Wir leben in einer globalisierten Welt. 2 In unserer Gesellschaft begegnen sich Menschen unterschiedlicher Religionen. 3 Es kommt darauf an, andere Religionen kennen zu lernen, Ehrfurcht vor der sich in ihnen darstellenden Religiosität zu fördern und diese gleichzeitig in Beziehung zu Jesus Christus zu setzen. 4 Dabei wird die Fähigkeit sowohl zum Dialog als auch zur Mission gestärkt. 5 In Sonderheit werden hier Themen bearbeitet werden müssen wie:
Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Judentum, Christentum und Islam
Interreligiöse Begegnung zu einzelnen Themen (hier besonders unter Berücksichtigung des Buddhismus)
Lehrhausarbeit im jüdisch-christlichen Dialog
Theologie der Mission und Theologie der Religionen